Kammerkonzert: Jugend forsch und verträumt

Das Kammerkonzert am Reinhart-Gymnasium offenbart das Können der jungen Musiker. Auch die Jüngsten unter ihnen lassen aufhorchen.„Songs an einem Sommerabend – hören Sie heute nicht!“, scherzt Oberstudiendirektor Michael Wagner zu Beginn des Kammerkonzerts am Dienstagabend in der gut besuchten Aula des Reinhart-Gymnasiums in Hof. Zwar hält der Frühling bereits einen sommerlichen Abend bereit, doch stehen keine Songs auf dem Programm der Fünftbis Zwölftklässler – meint jedenfalls der Schulleiter.
Gleich zu Beginn setzt sich als eine der Jüngsten Alina Zeiß (5a) ans Klavier und entführt das Publikum mit einem Lächeln auf die Titanic – allerdings nur „In Dreams“. Elf weitere Pianistinnen und Pianisten werden in den 75 Konzertminuten nach ihr am Flügel Platz nehmen – und alles Mögliche präsentieren von zart-verträumten Balladen über Klassiker wie „Für Elise“ bis hin zu aufgeweckten Charakterstücken wie dem „Gewitter“ von Friedrich Burgmüller.
Zwischen all den bestens vorbereiteten Pianisten fallen zwei besonders positiv auf. Das ist zum einen Hugo
von der Grün (9a), der mit beachtlicher Virtuosität gepaart mit großem musikalischem Einfühlungsvermögen Valse op. 64 Nr. 1 von Frédéric Chopin anstimmt; zum anderen begeistert Michael Tsoy (8a) mit einer spritzig-fingerfertigen Interpretation des Maple Leaf Rag von Scott Joplin.
Ebenfalls sehr virtuos präsentieren sich die Akkordeonisten. „3 + 2 = 5“ heißt das Stück von Marietta Amann (6c), der jüngsten Vertreterin dieser Riege – und ihre rasante Rechnung geht absolut auf. Von zartem Barock bis zu lateinamerikanischen Klängen reichen die Beiträge der bestens präparierten Gitarristen. Und an ein riesiges Instrument wagt sich der Sechstklässler Theo Czarnetzki: Er lässt in einer gelungenen Mischung aus Temperament und Gefühl die Schlägel über das schuleigene Marimbafon tänzeln.
Immer mal wieder mit auf der Bühne musizieren auch die beiden Musiklehrer und Organisatoren des Konzerts Martin Hauke und Johannes Müller. Sie begleiten am Flügel nicht nur die routiniert-elegante Flötistin Helena von der Grün (6c), sondern auch zwei von drei Cello-Beiträgen, die von der neuseeländischen Hymne bis zur Sarabande aus Suite III BWV 1009 von Johann Sebastian Bach reichen.
Zum Schluss gibt es doch noch Songs: „Ein Konzert ist nur ein schönes Konzert, wenn alle mitmachen!“, erklärt Johannes Müller und verweist auf die beiden Frühlingslieder, deren Notentexte sich auf der letzten Programmseite verstecken. So darf das begeisterte Publikum nicht nur für den künstlerischen Nachwuchs, sondern sogar auch für sich selbst als temperamentvollen Zuschauer-Chor applaudieren.

Christine WILD, Frankenpost

20180510Kammerkonzert