Musik lebt von Vielfalt – der Oberstufenchor

An unserer Schule gibt es  einen großen Oberstufenchor. Der singt sich durch viele Genres – und zwar mit viel Elan.
Singen – den meisten Schülern wohne diese Gabe durchaus inne, oft sei sie nur verschüttet, sagt Johannes Müller. Der Musiklehrer leitet am Hofer Johann-Christian-Reinhart-Gymnasium den Oberstufenchor, dem Schüler der Jahrgangsstufen zehn bis zwölf angehören. Singen, das sei zwar ein Instrument, das jeder zur Verfügung habe, doch es zu bespielen, seien die meisten nicht mehr gewohnt. Das zu ändern, begreift Müller als seine Aufgabe.
Am Reinhart-Gymnasium unterrichtet er bereits seit dem Jahr 1998. Seitdem leitet er auch den Oberstufenchor, der sich in dieser Zeit naturgemäß immer und immer wieder rundum erneuert hat. „Meiner Erfahrung nach entwickelt sich der Chor immer in Wellenbewegungen“, berichtet der Pädagoge. „Manchmal hat man das Gefühl, es läuft richtig gut. Dann bricht wieder ein starker
Jahrgang weg. Erst im vergangenen Jahr haben 20 Abiturienten den Chor verlassen.“
Weitergegangen sei es trotzdem immer wieder. Im vergangenen Schuljahr hatte das Ensemble etwa 40 Mitglieder. Wie viele es jetzt, im neuen Schuljahr werden, müsse sich noch zeigen. Manche Sänger singen auch nach dem Ende ihrer Schullaufbahn bei Auftritten des Oberstufenchors mit, bis das Studium sie in die Ferne zieht.
Chorarbeit an Schulen, das ist, wie Müller sagt, „anders als bei einem Chor, der als festes Ensemble zusammenbleibt, immer wieder von Neuem ein Ringen“. Dass immer wieder Sänger für den Oberstufenchor nachkommen, liegt auch daran, dass das Chorwesen am Reinhart-Gymnasium gut ausgebaut ist. Bereits die Jüngsten können das Ensemble-Singen im Unterstufenchor kennenlernen, weiter geht es im Mittelstufenchor. Ab der zehnten Jahrgangsstufe sollen die Schüler dann fit sein für die komplexeren Werke, die sich der Oberstufenchor vornimmt.
Um intensiv arbeiten zu können, probt dieser einmal in der Woche zwei Schulstunden lang. „Damit dürften wir an den Hofer Schulen ein Alleinstellungsmerkmal haben“, glaubt Johnannes Müller. „Die Schüler sollen ihre Stimmen entwickeln können“, erklärt er. „Deshalb lege ich viel Wert auf Stimmbildung und auch auf ausführliches Einsingen.“
Das Repertoire gestaltet der Pädagoge möglichst offen und möglichst vielfältig. Denn: „Meine Aufgabe sehe ich darin, den Schülern zu zeigen, was es alles gibt“, führt er aus. Mal singt der Oberstufenchor in Zusammenarbeit mit der Hofer Michaeliskantorei Bachs berühmtes Weihnachtsoratorium, mal führt er beim schuleigenen Weihnachtskonzert Bearbeitungen von Gospelsongs und Spirituals auf, nur um dann beim Sommerfest in den Rock-Pop-Modus umzuschalten. „Natürlich könnte ich sagen: Wir machen nur noch Pop. Dann kämen vielleicht mehr Schüler“, sagt Müller. „Aber das möchte ich nicht.“
Jedes Jahr im Herbst fährt der Chor für ein Wochenende weg, um in Ruhe zu proben. „Im Schulalltag nach sechs Stunden Unterricht noch zwei Stunden im Chor zu singen, kann auch manchmal anstrengend sein“, führt der Chorleiter aus. „Wenn wir aber am Wochenende weg sind, dann können wir auch mal sieben oder acht Stunden proben – und alle sind konzentriert und ausgeruht.“
Dabei ist der Elan der Schüler manchmal so groß, dass Johannes Müller sie sogar ein wenig bremsen muss. „Mittlerweile ist es Tradition, dass wir uns bis Mitternacht durch das Liederbuch singen“, berichtet er. „Da habe ich manchmal schon keine Energie mehr – aber die Schüler wollen gerne noch weitermachen.“
Auch darüber hinaus kommt die soziale Komponente im Oberstufenchor des Reinhart-Gymnasiums nicht zu kurz. Ab und zu besucht das Ensemble den Chor der Partnerschule im tschechischen Ostrov. „Der Empfang dort ist immer sehr herzlich“, schwärmt Müller. „Beim letzten Mal sind sogar drei ehemalige Abiturienten nochmal mitgefahren, um mitzusingen oder uns an Tenorsaxofon und Harfe zu begleiten.“ Auch im Altenheim tritt der Chor auf. Dabei sammeln die Schüler Erfahrungen fürs Leben: „Sie merken, dass sie nicht allein auf der Welt sind. Mancher Zuschauer wird im Bett reingeschoben. Das führt einem vor Augen, dass die eigenen Englischvokabeln nicht das größte Problem sind, das man haben kann.“
Chorsingen, das sei wie Musikunterricht, nur in der Praxis. „Im Unterricht redet man tendenziell zu viel über die Musik“, findet der Lehrer. Dass ihm viele seiner ehemaligen Schüler erzählen, dass sie nach ihrer Schulzeit wieder einem Chor beigetreten sind, ist für ihn ein großes Kompliment. „Das zeigt mir: Was ich gemacht habe, kann nicht alles falsch gewesen sein.“

Nico Schwappacher, Frankenpost

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