Oberstufentheater `18: Blick in seelische Abgründe

Schüler des Reinhart- Gymnasiums inszenieren „Aloha“, ein Werk von Raoul Biltgen. Dabei geht es speziell um Außenseiter. Erfolgreich wagen sich die Gymnasiasten des Johann-Christian-Reinhart Gymnasiums an ein ernsthaftes und psychologisches Stück: „Aloha“ von Raoul Biltgen setzte gekonnt die seelischen Ab- gründe von Jugendlichen in Szene. Sommer, Sonne, Strand und Meer und die Frage: Wozu sind Menschen fähig? Realitätsnah und mit großer Spielfreude brachten die Schüler der Klasse Q11, „Theater und Spiel“ ihr Stück auf die Bühne und begeisterten das Publikum.

Ein schöner und unbeschwerter Tag am Meer nimmt für zehn Ju- gendliche ein jähes Ende. In zwei scheinbar gleichen Episoden lüftet
sich das Geheimnis um den Tod der Mitschülerin Yasmin. War es ein Un- fall oder vielleicht sogar doch Mord?
In erschreckenden Bildern be- leuchtet das Stück das Thema Au- ßenseiter und Gruppendynamik und eine Generation, deren Emotionen sich sinnbildlich widerspiegeln – die Personen fühlen Hass, sind genervt und mit Konflikten behaftet.
Während in der ersten Episode noch eitel Sonnenschein herrscht, ist damit im zweiten Teil Schluss: Die Stimmung ist am Boden, und von der Unbeschwertheit ist nichts übrig geblieben – schlechte Laune, die ab- färbt, und das Zerbrechen des Grup- penzusammenhalts ist nicht mehr aufzuhalten. All das endet mit dem Tod eines jungen Mädchens. Doch statt sich der Schuld und der Trag- weite ihres Handelns bewusst zu wer- den, philosophieren die restlichen jungen Leute über eine gute Ge- schichte, die man der Polizei erzäh- len könnte. Auch der beliebte Wo- manizer Flo (gespielt von Felix Bick), der „Held“, der „Rettungsschwim-
mer“, zeigt unter seiner Maske ein wahrlich schauriges Gesicht.
Gekonnt inszenierten die Schüler und Schülerinnen dieses Werk und gaben den Zuschauern einen Ein- blick in eine Welt voll von Feindse- ligkeit und fehlender Moral. Die dar- stellenden Leistungen des Kurses wa- ren unter der Leitung von Kerstin Krämer herausragend und glänzten mit unbeirrbarer Sicherheit in puncto Text. Mit viel Liebe zum De- tail vermittelten sie glaubhaft ihre Rollen, für die sie ein Jahr geprobt hatten. „Drei Monate haben wir allein gebraucht, um das Stück unse- ren Gruppenbedürfnissen anzupas- sen“, erzählt Theresa Reiß, Darstelle- rin der Yasmin. Das Werk ist von Grund auf für neun Darsteller ausge- legt und beinhaltet drei Episoden. Die Gymnasiasten hatten das Stück für zehn Personen und zwei Episo- den in Eigenregie umgeschrieben. Im Kern geht es um den Umgang mit Außenseitern – den einen oder ande- ren Zuschauer hat es mit Sicherheit zum Nachdenken angeregt.

Von Sorina Grosser

20180709Oberstufentheater