Was bedeuten Erst- und Zweitstimme? Was muss ich beim Wählen beachten, um meine Stimme nicht versehentlich ungültig zu machen? Was bedeuten demokratische Wahlen? Warum wählen gehen? Welchen Einfluss hat meine Wahlentscheidung? Und: Welchen Kandidaten und welche Partei soll ich denn überhaupt wählen?
Hier nur eine kleine Auswahl an Fragen, die sich nicht nur Erstwählerinnen und Erstwählern, sondern allen Wahlberechtigten stellen. Sich damit zu befassen, dazu gibt das Schulprojekt Juniorwahlen Anlass. In der Woche vor den Bundestagswahlen am 23. Februar hatten alle Reinhart-Schüler ab der 10. Klasse die Möglichkeit, wählen zu gehen – wie bei den „echten“ Bundestagswahlen mit Wahlbenachrichtigungskarte, Eintragung im Wählerverzeichnis, Wahl unter Wahrung der demokratischen Wahlrechtsgrundsätze, Einwurf des Stimmzettels in eine verplombte Urne.
Die Organisation und Durchführung übernahmen maßgeblich Schülerinnen und Schüler der Arbeitsgemeinschaft Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage. Die Mitglieder des Wahlausschusses zählten schließlich auch die Stimmen aus, immer unter dem Vieraugenprinzip. 214 von 278 Schülerinnen und Schülern machten von ihrem Wahlrecht Gebrauch (77 Prozent).
Es stellte sich dann natürlich die Frage: Wie würde sich der Bundestag zusammensetzen, wenn nur die Reinhart-Schülerinnen und -Schüler darüber entscheiden könnten? Die Partei Die Linke errang am Reinhart 33,5 Prozent der Zweitstimmen, mit großem Abstand zu CSU (15,3 %), SPD (12,3 %), Grüne (11,8 %) und AfD (10,3 %). Hinsichtlich der Erststimmen hätte Jörg Nürnberger (SPD) das Direktmandant erhalten. Diese Ergebnisse unterscheiden sich tatsächlich in vielerlei Hinsicht von denen der Bundestagswahl. Um über diese Tatsache und Gründe dafür zu diskutieren, wurde der Abgeordnete des Bayerischen Landtags Kristan von Waldenfels, Pate des Schule-ohne-Rassismus-Teams, eingeladen. Im gut gefüllten Hörsaal stellte sich der Landtagsabgeordnete rund zwei Wochen nach der Wahl den teils auch sehr kritischen Fragen interessierter Schülerinnen und Schüler.
(Veronika Grimm)